Humor, Techno und Currywurst

Oft als rau und grau verschrien, punktet Berlin in Wirklichkeit mit 27.000 Hektar Grünflächen und Waldgebieten, 6.000 Hektar Wasser, Multikulti, Kreativität und gleichzeitig gutbürgerlicher Bodenständigkeit. Als Hauptstadt von Deutschland, Start-up-City, politisches Zentrum und Touristenmagnet landet Berlin auf Platz drei der europäischen Topdestinationen. Aus gutem Grund!

186 Nationen prägen das Stadtbild und den Charakter Berlins. Hier treffen Welten aufeinander. Irish Pubs, vietnamesische Restaurants, polnische Supermärkte und türkische Metzger – am besten alles in einer Straße. Doch was ist eigentlich „typisch Berlin“? Wir verraten es Ihnen

Stadtgerüchte

Oft als „junge Stadt“ bezeichnet, ist Berlin gar nicht so jung, wie die meisten Leute denken. Laut der Berliner Tageszeitung „Berliner Morgenpost“ liegt das Durchschnittsalter der Hauptstadt bei 42,7 Jahren. 53 % der Berliner sind Zugezogene, weniger als 5 % Studenten und der Ausländeranteil liegt bei 15,5 %. Städte wie München oder Köln verzeichnen einen weitaus höheren Anteil in den eben genannten Kategorien. Circa 2,9 % der Berliner sind stolze Hundebesitzer – in Köln liegt der Anteil bei 3,2 % und in Hamburg sogar bei 4,1 %. Der deutsche Statistikvergleich zwischen Deutschlands Millionenstädten widerspricht vielen Berliner Klischees und zeigt die wahre Bilanz der Hauptstadt.

Die Berliner & ihre „Schnauze“

„Vor Gott sind alle Menschen Berliner“, schrieb der Schriftsteller Theodor Fontane in „Wanderung durch die Mark Brandenburg“, im Kapitel „Der Berliner Ton“. Doch der raue Charme der Berliner ist viel wärmer als viele denken. Oft als „schnoddrig“ und Menschen mit Gefühlsschüben empfunden, sind die Berliner schlicht und einfach keine „Grinser“.

Die sogenannte „Berliner Schnauze“ ist eine gelungene Mischung aus derbem Humor und dem typischen Berliner Dialekt. Hier wird nicht um den heißen Brei geredet – die Berliner sind direkt. Das Prinzip „Frage – Antwort“ hat sich durchgesetzt. Sollte sich ein Taxi- oder Busfahrer Ihnen gegenüber also mal kaltschnäuzig äußern, erfassen Sie einfach die Aussage. Damit kommen Sie garantiert ans Ziel.

Gärtnern auf dem Tempelhofer Feld

Das Berliner Wetter

In Berlin herrscht kontinentales Klima, weshalb es im Sommer sehr warm und im Winter sehr kalt ist. Über das Jahr verteilt, fällt in Berlin eine mittlere Niederschlagsmenge. Mit 1.657 Sonnenstunden im Jahr scheint hier durchschnittlich mehr die Sonne, als es in Nordeuropa üblich ist. Von Mai bis September ist die schönste Jahreszeit in Berlin. Die Durchschnitts­tempe­ratur liegt bei 25 °C. Im Herbst kann man einen strahlend blauen Himmel und immer noch angenehme Temperaturen erleben. 

Im Winter ist es kalt. Temperaturen unter dem Gefrier­punkt sind keine Seltenheit und können bis auf -10 °C abfallen. Der Januar und der Februar sind die kältesten Monate im Jahr. Im März, spätestens April, beginnt der Frühling mit einem wolkenlosen Himmel und annehmbaren Temperaturen. Alles in allem durchlebt das Berliner Wetter die vier Jahreszeiten, wie wir sie in Kindertagen gelernt haben.  

Berliner Originale

Ob Currywurst oder Döner – wer hat’s erfunden? Richtig, die Berliner. Die Currywurst wurde das erste Mal im Jahr 1949 von Herta Heuwer in ihrem Imbissstand angeboten. Heute sind die beliebtesten Currywurst-Lokale „Konnopke´s Imbiss“, „Curry36“ und das „Witty´s am Wittenbergplatz“. Nicht selten stehen die Hauptstädter minutenlang an – Schlangen bis zu 200 Meter sind keine Seltenheit.

Anfang der 70er Jahre wurde hingegen der erste Döner am Kottbusser Damm in Berlin verkauft. Dieser Moment war der Anfang eines weltweiten Döner-Booms. Der bekannteste Berliner Dönerimbiss ist „Mustafas Gemüse Kebab“ am Mehringdamm – hier müssen Sie Wartezeiten bis zu 60 Minuten einplanen. Pro 1000 Einwohner gibt es in Berlin einen Dönerladen. Guten Appetit!

Falafel essen an der Warschauer Straße

Ampelmännchen, Fotoautomaten und Waschsalons

Noch heute sind nahezu alle Fußgängerampeln im ehemaligen Ostteil der Stadt mit besonderen grünen und roten Ampelmännchen versehen. Typisch Berlin! Die Ampelmännchen wurden von Karl Peglau (Verkehrspsychologe) gestaltet und im Jahr 1961 eingeführt. Heute sind sie das Symbol der „Ostalgie“ und zu wahrhaften Berliner Stars geworden. 

Nicht weniger „Star“ sind die Retro-Fotoautomaten in den Berliner Kult­kiezen, wie Pankow oder Friedrichshain-Kreuzberg. Sie stehen an allen Ecken. Stylish und mit besonderem Fotoergebnis in Schwarz-Weiß als Streifen erinnern die Automaten an frühere Zeiten. Sie sind wie Magneten – rund um die Uhr besetzt. Vier Bilder kosten zwei Euro. Ein typisches Metropolenmitbringsel der Berliner Touristen.

An eine Metropole wie New York oder London erinnert auf jeden Fall auch das Waschverhalten der Berliner. Wer nicht im Besitz einer eigenen Waschmaschine ist, nutzt in Berlin einen der vielen Waschsalons. Die Salons gelten als Begegnungsstätte der Großstädter. Gegen einen Münzbetrag wird Wäsche gewaschen, geschleudert, getrocknet, geglättet und währenddessen trinken die Wartenden gemeinsam einen Kaffee. Die meisten Waschsalons sind zur Selbstbedienung mit Automaten ausgestattet und in der Zeit von 7 bis 23 Uhr geöffnet. Am besten Sie checken die Öffnungszeiten vorab online.

Belebte Hinterhöfe sind in Berlin keine Seltenheit

Hand auf’s Herz: Bestätigte Vorurteile

Aber natürlich ist in Berlin nicht alles anders als gedacht. Einige der typischen Berliner Vorurteile entsprechen auch der Wahrheit. So sind beispielsweise 53,6 % der Berliner Singles – in Hamburg, München und Köln sind es zwischen 52,2 und 47,9 %. Und die Berliner lieben Techno. So hören die Hauptstadtbewohner rund 14 Technotracks bei 1000 Plays. Dies belegt eine Statistik des Streaminganbieters Spotify. Und zuletzt geben wir offen zu, dass die Berliner viel und gern demonstrieren. Berlin ist mit 13,9 pro 1000 Einwohner Spitzenreiter unter den Demonstrationsquoten in ganz Deutschland. Aber auch dieser Fakt gehört zu Berlin – die Stadt der Freiheit, Toleranz und Selbstverwirklichung.