Henry van Wagenberg (30 Jahre)

liebt den intellektuellen Anspruch in Berlin.

Wo arbeiten Sie?

Ich arbeite bei Blacklane, einem großen Berliner Tech Start-up, als Ruby Developer. Die Tech5 Initiative zeichnete uns dieses Jahr sogar als das am schnellsten wachsende Tech-Start-up Deutschlands aus. Wir bieten eine Plattform für professionellen Fahrservice in 50 verschiedenen Ländern. Du kannst als Privat- oder Firmenkunde vorab Fahrten buchen, über unsere App oder direkt über die Webseite. Wir kooperieren mit lokalen Fahrdienstleistern und brauchen daher keine eigene Flotte. 

Warum Berlin?

Ich bin Amerikaner, aber meine Vorfahren sind Holländer. Von daher war ein großer Teil in mir schon immer europäisch, ich fühlte mich zu Europa hingezogen. Als ich studierte, habe ich ein Auslandssemester in Heidelberg absolviert. Im Rahmen des Semesters machten wir einen Ausflug nach Berlin. Mein Herz schlug sofort für diese Stadt. Das ist 10 Jahre her. In der Zwischenzeit habe ich in Tacloban (Philippinen) und dann wieder in den USA gearbeitet, aber immer an Berlin gedacht. Irgendwann hatte ich einen Moment, in dem ich das ländliche Leben satthatte. Ich wollte einfach mehr vom Leben. Und da war Berlin meine erste Wahl. Ich kam hierher, ohne Job und ohne zu wissen, wo es mich hintreibt. Mein Bauchgefühl suggerierte mir Berlin. Und hier bin ich – glücklicher als je zuvor. 

Wer oder was hat Ihnen die erste Zeit in Berlin erleichtert?

Zwei Monate nachdem ich nach Berlin kam, habe ich eine GmbH gegründet. Ich hatte keinen Job und startete eine Tochterfirma von der Firma eines Freundes aus den USA im IT-Bereich, um etwas anzufangen. Dadurch habe ich sehr viele Leute kennengelernt, die mir die Stadt zeigten. Alle waren sehr freundlich. Ich zog in eine Wohngemeinschaft in Berlin-Schöneberg – dort lernte ich auch wieder neue nette Menschen kennen. Wirklich alle haben sich toll gekümmert. So fiel der Start in Berlin sehr leicht. 

Was lieben Sie an Berlin?

Ich liebe den intellektuellen Anspruch in dieser Stadt. Tischgespräche sind in Berlin oft philosophisch oder politisch, zumindest in den Kreisen, die ich bisher kennenlernen durfte. Das hatte ich auf dem Land in Colorado nicht. Egal wohin du gehst, triffst du interessante Leute – Menschen aus der ganzen Welt. Berlin ist international, die Menschen hier sind interessiert, neue Leute kennenzulernen. Die Stimmung in Berlin ist sehr speziell. In vielen Stadtteilen ist es sehr ruhig und man kann prima flanieren. Es gibt so viel Natur hier.

Übrigens, meine zweite Wahl wäre San Francisco gewesen. Aber wissen Sie, ich war dort und ich finde die Stadt sehr durchstrukturiert – war etwas enttäuscht. So wie unsere Eltern es erzählten, war San Francisco so wild, aufregend – eine Stadt des Aufbruchs. Und genauso wie ich mir diese Stadt immer vorgestellt habe, empfinde ich heute Berlin. Berlin ist eine Stadt der Gelegenheiten, die Menschen hier bewegen etwas. In Berlin können Träume wahr werden. 

Wenn Sie einem Neuberliner einen Tipp geben könnten, welcher wäre dies?

Seien Sie offen, nicht schüchtern! Lassen Sie sich von Leuten, die die Stadt kennen, begeistern. Probieren Sie auch mal Dinge aus, die in deinem Leben vielleicht nicht so üblich sind. So lernte ich unter anderem die experimentelle Musikszene in Berlin kennen. Etwas, womit ich nie vorher etwas zu tun hatte. Ich habe viele interessante Menschen dort kennengelernt. Es gibt eine Menge guter Kunst in Berlin – Theater, Konzerte, Galerien, auch abseits des Mainstreams. Entdecken Sie die Off Szene! Es lohnt sich.